Letzter Teil einer Tetralogie, mit der Regisseur Alexander Sokurow nach Hitler, Lenin und Kaiser Hirohito der urdeutschen Legende nachspürt, ist „Faust“ ein ungewöhnliches Projekt. Der mit dem Goldenen Löwen 2011 ausgezeichnete, mit deutschen Schauspielern besetzte und in deutscher Sprache gedrehte russische Film ist weder Literaturadaption noch Theaterverfilmung, sondern stellt als freie Bearbeitung in grünstichtigen schwefelgelben Bildern mit Unschärfen am Rand (wie im Stummfilm) den Mythos auf den Kopf. Mehr deutscher Expressionismus als Goethe. Faust (Johannes Zeiler) ist mit niedersten Instinkten im Alltag pathologisch unglücklich, betreibt die Jagd nach Sex, Geld und Macht in übersteigerter Gier. Mephisto, namenloser Geldverleiher (Anton Adasinsky), ist ein kleines Monster, das mit fratzenhaftem Gesicht an mittelalterlichen Mauern entlang schleicht und unter dem Spott der Menschen leidet. Isolda Dychauk (Lucrezia Borgia in der Serie „Borgia“) spielt Gretchen, die um ihre Verführungskünste weiß und mit Faust im See landet.