Rheine - Joachim Gauck ist offensichtlich interessant wie nie: Mehr als 500 Zuhörer drängeln sich am Donnerstagabend in der Rheiner Stadtkirche St. Dionysius, um dem Mann zuzuhören, der nur ganz knapp - im dritten Wahlgang - am 23. Mai 2010 bei der Wahl des Bundespräsidenten Christian Wulff unterlegen war. Dabei bleibt an diesem Abend das Thema Bundespräsident außen vor. Gauck liest aus seiner Autobiografie „Winter im Sommer - Frühling im Herbst“, die schon im Jahr 2009 erschienen ist - ein Jahr vor der Nominierung des DDR-Bürgerrechtlers und späteren Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen für das höchste Staatsamt.
Gelegenheit zur Diskussion gibt es nach der Lesung nicht. Insofern bleibt die Frage ungestellt, ob Gauck vielleicht der bessere Bundespräsident wäre. Warum dann das große Interesse an der Person? „Das ist etwas, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten so aufgebaut hat“, sagt der frühere evangelische Pfarrer mit Blick auf die restlos ausverkaufte Veranstaltung. Er fügt hinzu: „Es überrascht mich schon, aber es ist nicht das erste Mal.“ Seine erste Lesung habe er in diesem Jahr in Karlsruhe gehalten, wo man ins dortige Konzerthaus auswich und er mehr als 1000 Zuhörer hatte. „Das freut mich natürlich und zeigt die Sehnsucht der Menschen, einer Person zu begegnen, der sie irgendwie vertrauen“, sucht Gauck nach Erklärungen für den Publikumserfolg.