Bocholt - Wo heute Äcker, Wiesen und Weideland die Landschaft an der deutsch-niederländischen Grenze bei Bocholt prägen, könnte schon in einigen Jahren ein riesiger Baggersee entstehen. Die Niederrheinische Kies- und Sandbaggerei (NKSB) in Rees mit ihrem Geschäftsführer Michael Hüging-Holemans möchte im Bocholter Ortsteil Suderwick ein neues Kieswerk errichten und auf einer 120 Hektar großen Fläche Sand und Kies abbauen.
Das Unternehmen hofft, mit dem Abbau 2016 beginnen zu können, und ist bereit, 20 Millionen Euro in das Projekt zu investieren. Der Kiesabbau soll über drei Jahrzehnte stattfinden. Die Rede ist von einer Fördermenge in der Größenordnung von rund einer Million Tonnen jährlich. Was bleiben würde, wäre eine bis zu 30 Meter tiefe Wasserfläche, die größer als Suderwick und viermal größer als der Bocholter Aasee wäre.
Die Pläne stoßen in Bocholt und in der niederländischen Nachbargemeinde Aalten-Dinxperlo auf breite Ablehnung. Politiker aller im Rat vertretenen Parteien, Landwirte, Naturschützer und Anwohner arbeiten mit niederländischen Abgrabungsgegnern zusammen, um die Auskiesung zu verhindern. Noch hat die Kiesbaggerei beim Kreis Borken, der die Abgrabung genehmigen müsste, keinen offiziellen Antrag gestellt. Das soll im nächsten Jahr geschehen. Mit einer Genehmigung rechnet das Unternehmen allerdings nicht vor dem Jahr 2015.
Bei einem sogenannten Scopingtermin haben Vertreter aller beteiligten Fachbehörden und Träger öffentlicher Belange in Borken festgelegt, welche Untersuchungen und Gutachten das Unternehmen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegen muss. Erst dann, wenn diese Gutachten vorliegen, soll auch das Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit eröffnet werden.
Für den Sand- und Kiesabbau will das Reeser Unternehmen GPS-unterstützte Schwimm- und Saugbagger einsetzen. Die geförderten Bodenschätze sollen gleich vor Ort in einem Kieswerk gereinigt, sortiert und für den Abtransport vorbereitet werden. Allein für das Kieswerk samt Waage, Werkstatt, Verladestation sowie Sozial- und Büroräumen benötigt die Kiesbaggerei eine Fläche von fünf Hektar.
Über Förderbänder soll das fertige Produkt per Lkw zu Kunden im Münsterland gebracht werden. Das Unternehmen rechnet jährlich mit etwa 750 000 Tonnen Kies und Sand, die per Lastwagen nach Bocholt, Ahaus, Borken, Dülmen und Coesfeld gefahren werden.
Für die Gegner ist der geplante Flächenschwund von 120 Hektar inakzeptabel. Zudem seien das Straßennetz am Kieswerk nicht in der Lage, täglich bis zu 400 Lkw-Fahrten aufzufangen, die nötig wären, um den Sand und Kies abzutransportieren, argumentieren sie. Es gibt bereits eine deutsch-niederländische Bürgerinitiative, die Unterschriften gegen den geplanten Kiesabbau sammelt und Informationsveranstaltungen organisiert.