Bocholt - Viele Eltern reagieren besorgt, wenn sie bemerken, dass ihr Kind stottert. Doch nicht jedes Stottern müsse sofort therapiert werden, erklärt die Bocholter Logopädin und Lerntherapeutin Judith Laufer: „Gerade bei Kindern im Vorschulalter kann das Stottern nur vorübergehend sein.“ Es könne sich dabei auch um sogenanntes Entwicklungsstottern handeln. „Ursache können Schübe in der Sprachentwicklung sein, die das Kind noch überfordern“, erklärt die 31-Jährige. In solchen Fällen müsse sie oft eher die besorgten Eltern als die betroffenen Kinder beruhigen.
Ab dem Schulalter sollte das Stottern dann allerdings aufhören, so Laufer. Habe sich das Stottern aber verfestigt und sei damit chronisch geworden, zum Beispiel weil zu viel Druck auf das Kind ausgeübt wurde, sei es ratsam, spätestens jetzt tätig zu werden. „Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die Motivation“, betont sie. Denn: „Stottern ist nicht heilbar, sondern begleitet die Betroffenen ihr Leben lang.“ Vor allem da die genauen Ursachen des Stotterns noch gar nicht eindeutig geklärt seien. Daher müssten sie regelmäßig daran arbeiten. Nur wenn der Patient selbst etwas ändern wolle, könne sie etwas erreichen. „Manchmal schließe ich mit meinen Patienten wirklich einen schriftlichen Vertrag, wo wir das festhalten“, erzählt Laufer.
Bei Kindern ab dem Grundschulalter und bei Erwachsenen arbeite sie mit einer direkten Therapie, bei der das Stottern auch als Problem angesprochen werde. Bei jüngeren Kindern setze sie dagegen eher auf eine indirekte Therapie. „Dabei würden man den Kindern nicht sagen: Du stotterst., um sie nicht unter Druck zu setzen“, so Laufer.
Werde das Stottern aber direkt angesprochen, gehe es auch darum, die Patienten zu sensibilisieren und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. „Gleichzeitig lernen sie, wie das Sprechen überhaupt funktioniert und wie wir verschiedene Laute erzeugen“, erklärt Laufer. Doch nicht nur das Sprechen kann den Betroffenen Schwierigkeiten bereiten. „Dazu können auch weitere Symptome kommen. So gibt es einige Patienten, die sich bewegen oder die Augen zukneifen, um beim Stottern aus der Blockade herauszukommen“, sagt die Bocholterin. Da auch die Atmung beim Sprechen eine große Rolle spiele, werde auch sie in der Therapie eingeübt. Bei Kindern arbeite sie vor allem mit spielerischen Übungen.
Eine Universaltherapie für das Stottern gebe es aber nicht. „Jeder Patient ist da verschieden und bei jedem tritt das Stottern auch in unterschiedlichen Situationen auf“, sagt Laufer. Bei der Sprachtherapie gehe es aber nicht nur um Übungen im geschützten Raum. „Wir machen auch praktische Übungen, bei denen wir Sprechen in Situationen trainieren, bei denen die Patienten am meisten Probleme haben. Zum Beispiel am Telefon oder im Laden“, so Laufer weiter.
Grundsätzlich habe sie den Eindruck, dass sich heute Sprachprobleme bei Kindern häuften. „Das liegt zum einen daran, dass wir mehr darauf achten“, sagt Laufer. Zum anderen daran, dass Kinder mehr Zeit vor dem Fernseher verbrächten. „Sprache ist direkte Kommunikation. Und beim Fernsehen fehlen den Kindern die Sprachvorbilder“, so Laufer.|Westfalen