Sparkasse Gronau legt Bilanzzahlen für 2011 vor

Anleger zieht es in „sichere Häfen“


Die Vorstandsmitglieder Wilfried Hammans (l.) und Wilhelm Nassmacher stellten gestern die vorläufigen Bilanzzahlen der Sparkasse für das vergangene Jahr vor.Foto:
Die Vorstandsmitglieder Wilfried Hammans (l.) und Wilhelm Nassmacher stellten gestern die vorläufigen Bilanzzahlen der Sparkasse für das vergangene Jahr vor.Foto:
(mfk)


Gronau - Unbemerkt ging die Finanzkrise auch an der Sparkasse Gronau nicht vorbei. Auf das Geschäftsergebnis 2011 aber wird sie sich wohl nicht auswirken: Auch wenn die konkrete Zahl noch nicht feststehe, rechnen die Vorstände Wilfried Hammans und Wilhelm Nassmacher unterm Strich mit einem Ergebnis, das sich auf Vorjahresniveau bewegt. Das gaben die beiden Vorstandsmitglieder am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz bekannt.

Die Ausläufer des Sturms an den Finanz- und Geldmärkten aber reichen bis nach Gronau. „Nach der Lehman-Pleite 2008 ging es turbulent zur Sache, und die Turbulenzen sind auch noch nicht vorbei“, stellte Hammans fest. Dabei hätten sich die Finanzmärkte im ersten Halbjahr zunächst erholt, die Aktienkurse und die langfristigen Zinsen seien in Deutschland wieder gestiegen. Dann aber erschütterte ein neues Beben die Branche - ausgehend von Griechenland: Die Staatsschuldenkrise habe bei den Akteuren für neue Unsicherheit und einen neuerlichen Rückgang von Wertpapierkursen wie langfristigen Zinsen gesorgt.


Das spiegelt sich in den Zahlen wider, die Hammans und Nassmacher für 2011 präsentierten. Vor der unsicheren Finanzmarkt-See flüchteten viele Sparer in „sichere Häfen“. Im Einzelnen:

» Kundeneinlagen: So erlebten vor allem die Termineinlagen bei der Sparkasse einen kräftigen Zuwachs von 84,5 Prozent (von 10 auf rund 18 Millionen Euro). Ebenfalls gefragt bei Anlegern waren Sparkassenbriefe und Inhaberschuldverschreibungen, die um 12,5 Prozent (auf rund 15 Millionen Euro) zulegten. Teils schichteten die Sparer ihre Gelder um, sodass die Spareinlagen (zum Beispiel Sparkonten) um 2,4 Prozent auf rund 149 Millionen Euro sanken. Die Sichteinlagen (zum Beispiel Girokonten) stiegen auf 64 Millionen Euro um zehn Prozent.

» Wertpapiergeschäft: Mit dem erneuten Rückgang von Aktienkursen und Co. verringerte sich auch der Wert des Wertpapierbestands der Sparkassenkunden - von 67 auf 61 Millionen Euro (-8,5 Prozent). Die günstigeren Kurse ermuntern aber manchen Anleger zum Zugreifen: Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent - wobei die Ankäufe gegenüber den Verkäufen deutlich höher ausgefallen seien, so der Vorstand.

» Kredite: Das Kreditgeschäft erhält von der Sparkasse die Note „voll befriedigend“. Deutlich reduziert haben sich aber die kurzfristigen Kredite - um knapp fünf auf 25 Millionen Euro (-16,3 Prozent). Einen gewichtigen Grund sehen Hammans und Nassmacher in den sprudelnden Steuereinnahmen, da sich alleine das Volumen der kommunalen Kassenkredite um 8,3 Millionen Euro reduziert hat. Aber auch die mittelfristigen Kredite an Kunden sanken um 7,3 Prozent auf 13 Millionen Euro. Dahingegen erhöhte sich das Volumen der langfristigen Kredite leicht um 0,9 Prozent auf 260 Millionen Euro. Bei Privatkunden erhöhte sich der Kreditumfang insgesamt leicht um 1,2 Prozent, gewerbliche Kunden jedoch schöpften ihre Kreditlinien nicht ganz aus, sodass bei ihnen das Volumen um 6,2 Prozent sank. Summa summarum sanken die Kredite der Sparkasse um 1,2 Prozent auf 298 Millionen Euro.

» Verbundgeschäft: Das lief laut Kreditinstitut „erfreulich“ - mit einem Verkaufsplus von 44 Prozent bei Provinzial-Lebensversicherungen und von sechs Prozent bei den Provinzial-Sachversicherungen. Bei den DEKA-Wertpapierprodukten zähle die Gronauer Sparkasse sogar zu den drei vertriebsstärksten im Verbandsgebiet. Nur die LBS-Bausparverträge hätten die Erwartungen „nicht ganz erfüllt“.

» Dafür aber habe sich das Volumen der Immobilienvermittlung mehr als verdoppelt - auf laut Hammans mehrere Millionen Euro.

Insgesamt konnte die Sparkasse ihre Bilanzsumme um 1,7 Prozent auf 464 Millionen Euro erhöhen. Angesichts eines insgesamt leicht höheren Zinsüberschusses und Provisionserträgen, die über den Erwartungen lagen, beurteilt der Vorstand die Ertragslage als gut. Im Haus seien zudem die Aufwendungen für die Verwaltung gesenkt worden.

Allerdings rechnet Wilfried Hammans wegen strengerer Vorschriften (Stichwort Basel III) mit einem künftig höheren Verwaltungsaufwand. Und Ungemach können indirekt von der WestLB drohen: Wenn sie Griechenland-Anleihen abschreiben muss, könnte die Sparkasse Gronau mit im Verlust-Boot sitzen. Ansonsten sei eine Prognose für 2012 schwierig, sagte Hammans: „Man weiß nicht, was noch alles kommt.“

VON MARKUS KAMPMANN, GRONAU


02 · 02 · 12





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