Einsatz für friedliches Miteinander


Doris Rüger (von links) und Ralf Krause, die neuen Schiedspersonen der Stadt Lengerich, übernehmen dieses Ehrenamt von Rosemarie Wittler und Hartmut Grotholtmann. Foto:
Doris Rüger (von links) und Ralf Krause, die neuen Schiedspersonen der Stadt Lengerich, übernehmen dieses Ehrenamt von Rosemarie Wittler und Hartmut Grotholtmann. Foto:
(Ulla Wolanewitz)


Lengerich - „Zuhören können ist ganz wichtig. Und Ruhe bewahren“, so umschreibt Hartmut Grotholtmann sein Ehrenamt als Schiedsmann. Vor neun Jahren übernahm er dieses Amt als Nachfolger von Anneliese Altevogt, um sich ein bisschen ehrenamtlich für seine Stadt zu engagieren. Ahnungslos, dass es sich fast zu einem Halbtagsjob entwickelte.

Schuld daran war die neue zivile Prozessordnung von 2000, die besagte, dass die Schiedsstelle als obligatorische Institution und Gütestelle bis zu einem Streitwert von 600 Euro vorgeschaltet werden müsse. Dieses Gesetz wurde mittlerweile wieder abgeändert.


„Gott sei Dank“, findet Hartmut Grotholtmann, keineswegs, um sich zu beklagen. Allerdings macht er den Mehraufwand durch Fakten deutlich: „Meine Vorgängerin hatte es in sechs Jahren mit fünf Fällen zu tun. Wir dagegen mit 40 Fällen in einem halben Jahr.“

Wir - das sind er und seine Stellvertreterin Rosemarie Wittler - mit der er so manches Mal auf vermeintlich stürmischer See die Wogen glättete. „Die Menschen brauchen oft nur einen Ansprechpartner, eine Mittelsperson, die ihre Probleme ernst nimmt und Lösungen anbietet“, so die Erfahrung von Rosemarie Wittler. Beide verschweigen nicht, dass es in einem Großteil der Schlichtungsfälle um Nachbarschaftsstreitigkeiten ging. Grund der Ärgernisse: Überhängende Äste, herabfallendes Laub, zu hohe Hecken.

„Einmal hast du mich mit dem Zollstock raus geschickt, damit ich nachmesse, ob die Astlänge stimmt“, erinnert die muntere Seniorin, die ihr Amt mit der notwendigen Dosis Gelassenheit und Humor ausfüllte, ihren Kollegen.

Amüsiert lauschte Bürgermeister Friedrich Prigge, den Anekdoten der beiden Schiedspersonen, die er mit Blumen und großem Lob - „für ein friedliches Miteinander in der Stadt gesorgt zu haben“ - aus dem Amt entließ. Dem schloss sich Karin Gabriel, Direktorin des Amtsgerichtes Tecklenburg, mit einem promillehaltigen Geschenk gerne an. Prigge machte darauf aufmerksam, dass die Stadt - auf Empfehlung des Bundes Deutscher Schiedsmänner und -frauen - in zwei Bezirke eingeteilt sei. Doris Rüger ist nun für den Ostteil Lengerich, Ralf Krause für den Westteil zuständig. Einige Bewerbungen auf dieses Amt waren im Rathaus eingegangen. Der Rat entschied sich für den 50-jährigen Betriebsschlosser,und die 59-jährige Gastronomin.

VON ULLA WOLANEWITZ, NOTTULN


19 · 02 · 10



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