Europäische Freiwillige im JZ

Olga mag Arbeit mit Kindern


Direkt nach ihrem Magisterstudium bewarb sich Olga um einen EFD-Platz in Deutschland.Foto:
Direkt nach ihrem Magisterstudium bewarb sich Olga um einen EFD-Platz in Deutschland.Foto:
(David Wagner)


Lengerich - Olga Kovaleva heißt sie, kommt aus Russland und engagiert sich, seit August vergangenen Jahres, in der Stadt Lengerich. Genauer, im Jugendzentrum „Stadthütte“. Olga ist eine von tausenden jungen Menschen im Europäischen Freiwilligendienst (EFD). Im Jugendzentrum (JZ) Lengerich hat der EFD eine lange Tradition. Im Jahr 1998 begrüßten die damaligen Initiatoren den ersten Freiwilligen - aus Frankreich. Olga Kovaleva ist bereits die 19. Freiwillige, die in der städtischen Einrichtung mitarbeitet.

Nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Magisterstudium in Slawistik und Literaturwissenschaften an der Immanuel-Kant-Universität in Kaliningrad, entschied sie sich zu einem Auslandsaufenthalt. Dazu bewarb sie sich über eine sogenannte Host-Organisation um einen EFD-Platz in Deutschland.


Wichtig war ihr „mit Kindern zu arbeiten“, erzählt Olga Kovaleva im Gespräch mit den WN. Einige Wochen später fand Anette Heyn, Diplom-Sozialpädagogin und JZ-Mitarbeiterin, die interessante Bewerbung aus Russland. Sie war eine von vielen, die die Einrichtung jedes Jahr erreichen.

Das Aufgabenfeld der Freiwilligen ist vielseitig und im Hinblick auf die Jugend- und Kinderbetreuung anspruchsvoll. Daher gibt es „klare Vorstellungen“, was ein Bewerber an Qualifikationen mitbringen sollte, erläutert Anette Heyn. So fiel die Auswahl schnell auf die junge Lehrerin aus Kaliningrad.

Nach einer 18-stündigen Busfahrt kam Olga Kovaleva im Oktober in Lengerich an. Seitdem unterstützt sie die Jugendeinrichtung auf vielen Gebieten. Angefangen bei der täglichen Hausaufgabenbetreuung von Schülern der benachbarten Bodelschwingh-Realschule, über Basteln, Kochen und Spielen bis hin zur Begleitung bei mehrtägigen Ausflügen - überall zeigt sich die junge Russin engagiert. Darüber hinaus stellt sie eine Kontaktperson dar, insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Neben den alltäglichen Aufgaben und Pflichten besucht sie zwei Mal in der Woche einen Sprachkursus. Die sind beim EFD für jeden vorgesehen und helfen, einen Mehrwert für den Freiwilligen zu schaffen. Denn: Nur wegen des Gehalts wird kaum jemand am EFD teilnehmen: monatlich gibt es 105 Euro Taschengeld - mehr nicht.

Selbstverständlich wird für Essen und Unterkunft gesorgt, das Taschengeld gibt es von der Stadt oder vom Kreis. Untergebracht ist Olga Kovaleva in Ibbenbüren in einer Fünfer-WG mit anderen jungen Freiwilligen aus ganz Europa. Alle arbeiten im Kreis Steinfurt.

Die Kommunikation untereinander ist lebhaft und natürlich mehrsprachig, berichtet sie mit einem Lächeln. Es wird auch schon mal mit „Händen und Füßen“ übersetzt. Mit ihrem Zimmer und der Wohnsituation ist sie zufrieden. So bemerkt Olga Kovaleva mit Blick auf die WG:„Es war alles schon da.“

Obwohl sie sich sichtlich wohlfühlt packt die junge Frau „ab und an das Heimweh“, denn ein Heimaturlaub ist während des Jahres nicht vorgesehen - und für sie auch nicht finanzierbar. Jedoch helfe ihr das Internet, wie beispielsweise Facebook und Skype, Kontakt mit ihrer Familie und Freunden zu halten, freut sich die 26-Jährige.

Für ihre Tutorin Anette Heyn ist es „immer wieder interessant“, mit jungen Menschen aus dem Ausland zu arbeiten. Besonders am Herzen liegt ihr, dass die Freiwilligen gut „eingebunden“ werden und „zufrieden wieder nach Hause fahren“.

Im August kehrt Olga zurück nach Kaliningrad, wieder mit dem Bus. In der Tasche wird sie, neben hoffentlich vielen positiven Eindrücken und besseren Deutschkenntnissen, einen „Youthpass“ haben. Das ist ein Abschlusszeugnis.

Offiziell ist er „nicht viel wert“. Wünschen würde man es sich. Gerade in der momentanen Identitäts- und Sinnkrise Europas. Doch vermutlich trifft Olga Kovaleva auf Menschen, die ihr Anerkennung zollen - für ihr Engagement in Lengerich. Sie ist überzeugt: „Ich kann es jedem empfehlen!“



31 · 01 · 12



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