Thekla Hasselkuß bei der Frauenhilfe

Wintermärchen aus aller Welt


Thekla Hasselkuß hat sich zur Märchenerzählerin ausbilden lassen und unterhält mit Geschichten aus aller Welt ihre Zuhörer. Foto:
Thekla Hasselkuß hat sich zur Märchenerzählerin ausbilden lassen und unterhält mit Geschichten aus aller Welt ihre Zuhörer. Foto:
(Renate Lammers)


Wersen - „Märchentante“ mag für einige wie ein Schimpfwort klingen. Freudig lächelnd nahm dagegen Thekla Hasselkuß ihre Ankündigung als solche von Christa Pieper zum Frauenhilfenachmittag in Wersen an. Die ehemalige Bürener Kindergartenleiterin ist seit ihrem Eintritt in den Ruhestand als professionelle Märchenerzählerin unterwegs.

Märchenhaft verwandelte Thekla Hasselkuß einen Teil des Gemeindehauses. Glänzende Samttücher in dezenten Farben umrahmten die Erzählerin. Brennende Kerzen sorgten für eine heimelige Atmosphäre. Der Vorsitzenden Christa Pieper war kein Bericht darüber in Erinnerung, ob jemals an einem Frauenhilfenachmittag Märchen erzählt wurden. Umso mehr freuten sich die Damen, nicht nur in die bekannten Geschichten ihrer Kindheit, sondern auch fremde Erzählungen kennenzulernen. Die Gebrüder Grimm haben ihre Märchen nicht selbst geschrieben, klärte Thekla Hasselkuß die Frauenhilfeschwestern auf. Sie reisten durch die Lande, hörten zu und schrieben die gesammelten Werke auf. Passend zur Jahreszeit hatte die Erzählerin Wintermärchen im Gepäck. „Wo ist denn der Prinz?“ fragten die Damen keck. Die kommen natürlich immer am Schluss eines Märchens, dass war auch an diesem Nachmittag nicht anders.


Fünf Märchen aus Deutschland, England, Japan, Russland und Malta wurden erzählt. Alle ohne großes Märchenbuch, wie man sich das eigentlich vorgestellt hätte. Thekla Hasselkuß lernt ihre Märchen nicht wirklich auswendig. „Falls man den Faden verliert, kommt man dann schlecht wieder rein.“ Also halten sich ihre Erzählungen zwar an die Vorlagen, werden jedoch frei vorgetragen.

Die erste Geschichte beginnt mit Räubern und Überfällen in den wilden Wäldern Russlands, endet aber klassisch mit der Hochzeit eines Prinzen mit einem schönen Mädchen aus dem Volk. Das „ach ja“- Erlebnis kam mit den Märchen von den drei kleinen Schweinchen, die den bösen Wolf austricksen, von den kleinen Wichteln, die einem armen Schuster zu bescheidenem Wohlstand verhelfen oder vom Mädchen mit den Schwefelhölzern.

Auch die japanischen Märchen, so merkten die Frauen, setzen auf ein Happy End und ähneln den bekannten aus Deutschland: Der Lumpenhändler Gohei aus Osaka lebte jahrelang ohne sein Wissen mit dem Gott der Armut zusammen. Erst als dieser entdeckt wird, müssen sie sich voneinander trennen. Gohei besteht die auferlegte Prüfung und lebt fortan in bescheidenem Wohlstand.

In Malta dagegen lebte ein ganz hässlicher böser Riese, erzählte Thekla Hasselkuss. Auch dieser war natürlich eigentlich ein schöner Prinz und wurde von einer Zauberin verwandelt, weil er zur Überheblichkeit neigte. Ein schönes Mädchen befreit auch ihn von seinem Zauber und sie heiraten: „Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.“

Ein schöner Nachmittag, fanden die Damen. Thekla Hasselkuß will sich künftig auch mit Trollgeschichten befassen und gerne wiederkommen.

VON NATALIE WOITKOWIAK, TELGTE


29 · 01 · 12





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