Nur im Schneckentempo geht es bei einigen Kunden in Alt-Lotte mit der DSL-Versorgung voran. Foto: (dpa)
Lotte - Begehrlichkeiten auf rasche Versorgung mit schnellem Internet weckte die Deutsche Telekom nach dem November-Infoabend im Haus Hehwerth. Zwischen 6000 und 16 000 Megabits (Maßeinheit für die Datenübertragungsleistung) sollten ab Ende Dezember aus dem Netz zur Verfügung stehen. Manche Kunden haben die Breitbandversorgung schnell bestellt, warten aber bis heute darauf.
Sie kritisieren die angebliche Schwerfälligkeit des Anbieters und die Hotline-Mitarbeiter. Die seien inkompetent, hieß es, und hätten falsche Angaben gemacht. Die Telekom-Presseabteilung nahm nur teilweise Stellung auf schriftliche Nachfragen unserer Zeitung.
Überaus verärgert ist immer noch Gotthard Helmich vom Erlenweg: „Ich habe bereits bei der Abfrage der Gemeinde im Sommer lange vor dem Infoabend sofort bei der Gemeinde Interesse bekundet. Da wollte ich auf 16000 Megabit aufrüsten“, erklärte der Alt-Lotter. Am Tag des Infoabends habe er die Hotline angerufen und erklärt, er möchte die höhere Übertragungsrate bekommen.
„Da hat man mir gesagt, das ist okay, ich müsse vom Angebot ,Call and Surf Comfort 4 auf 5 umstellen, was ich telefonisch gemacht habe. Auch hat man mir gesagt, dass ich probehalber ein Sicherheitspaket erhalten werde, das ich kostenfrei abbestellen kann. Mündlich habe ich die Auftragsbestätigung erhalten, dass ich zum 4. Januar frei geschaltet werde, schriftlich die Bestellung des Sicherheitspakets“, berichtete Helmich.
Das Wichtigste, eine schriftliche Bestätigung über die Bereitstellung der schnelleren Übertragungsleistung, sei allerdings nicht erfolgt. Er sehe das als bewusste Irreführung an, so Helmich.
Getan habe sich bei der Schnelligkeit nichts. „Am 8. Januar habe ich wieder die Hotline angerufen. Da hat man mir dann gesagt, schnelles DSL sei nicht möglich, weil alle Ports (Port = Teil der Internetadresse, der die Zuordnung von Servern durch Betriebssysteme bewirkt, Anmerkung der Red.) belegt seien. Da habe ich mich im Rathaus an Kurt Beneking gewandt. Der hat mit der Telekom Kontakt aufgenommen und erfahren, dass genügend Ports zur Verfügung stehen. Ich meine, es ist ein Skandal, wenn Rat suchende bei der Hotline erfahren, dass keine Anschlüsse für schnelles DSL frei seien, zumal ich mich schon so früh darum gekümmert habe“, sagte Gotthard Helmich.
Telekom-Pressesprecher Lorenz Steinke erklärte zu diesem Sachverhalt: „Der Kunde Helmich nutzte bisher einen DSL-2000-Anschluss. Hier ist die Umschaltung auf einen schnelleren DSL-16 000-Anschluss beauftragt. Zurzeit erfolgen Leitungsmessungen, um dem Kunden das gewünschte Produkt bereitzustellen.“Zudem teilte Steinke mit, es gebe ausreichend Ports für Neukunden und verwies auf die Hotline-Telefonnummer. Antworten auf schriftliche Anfragen im Hinblick auf die Kritik an den Hotline-Mitarbeitern gab Lorenz Steinke nicht.
Für Gotthard Helmich hat sich bis zum 31. Januar nichts geändert: „Ich habe noch immer kein schnelles Internet. Bei der Hotline hat es geheißen, das werde am 25. Januar umgestellt. Dann kam ein Anruf aus Münster, dass das am 4. Februar geschehen wird. Für mich ist auch das eine leere Versprechung, denn ich habe keine schriftliche Zusage!“
Verärgert war auch der bislang mit der Telekom zufriedene und langjährige Kunde Heinz Beckmann am Saerbecker Damm. Auch er kam zuversichtlich vom Infoabend im November nach Hause. Der Telekom-Mitarbeiterin im Haus Hehwerth habe er den Auftrag erteilt, umzustellen und ihr mitgeteilt, dass die erforderliche Technik bereits vorhanden sei, so Beckmann.
„Zwei Wochen später hat es geheißen: Wir schalten Sie um. Dann habe ich schriftlich die Bestätigung erhalten, dass ich den Vertrag mit allen Telefonnummern gekündigt hätte. Das wäre fatal geworden, weil ich Rufnummernumleitungen für die Firma eingerichtet habe. Da wäre ich völlig aufgeschmissen gewesen“, sagte er ungehalten. Daher habe er umgehend die Telekom-Niederlassung in Osnabrück an der Hannoverschen Straße aufgesucht. „Die haben Ahnung und mir weitergeholfen“, anerkannte Beckmann.
Für Nachfragen, ob das schnelle Internet inzwischen laufe, war Heinz Beckmann am Dienstag nicht zu erreichen. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es in seiner Nachbarschaft einen Anwohner, der bis vor drei Tagen noch immer über keinen Internetanschluss mit der gewünschten Schnelligkeit verfügte.
Bei der Recherche fanden sich aber auch zufriedene Kunden: Pierrette Tisserand-Ennen und Andreas Ennen. „Ich bin Anfang des Jahres direkt zur Hannoverschen Straße gefahren und habe dort alles geregelt. Wenige Tage später lief das schnelle Internet“, berichtete Tisserand-Ennen. „Vielleicht liegt es daran, dass du den Anschluss beruflich nutzt“, mutmaßte ihr Ehemann.
So oder so: Die Lotter Verwaltung als Vertragspartner der Telekom hat aktuell viel zu tun. Genauer gesagt, ihr Mitarbeiter Kurt Beneking als Ansprechpartner, der sich wirklich kümmere, wie häufig zu hören war.