„Projekt Schulbussicherheit“ an der Gemeinschaftshauptschule

Langsam geht es sogar schneller


Durch Gedränge und Geschubse an der Bushaltestelle kommt es immer wieder zu Unfällen. Foto:
Durch Gedränge und Geschubse an der Bushaltestelle kommt es immer wieder zu Unfällen. Foto:
(Erna Berg)


Westerkappeln/Lotte - Die Schule ist aus, alle stürmen zur Haltestelle. Wenn der Bus dann kommt, will jeder der erste sein: Dichtes Gedränge an Schulbushaltestellen ist ein alltägliches Bild - und eine Ursache dafür, dass beim eigentlich sicheren Busfahren immer wieder vermeidbare Unfälle passieren. Deshalb startete die Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) im vergangenen Jahr mit dem Projekt „Schulbussicherheit“.

Projektleiterin Susanne Schepers führt es an weiterführenden Schulen durch. Jetzt nahmen 60 Schüler der fünften Klassen der Gemeinschaftshauptschule Lotte an dem praktischen Schulbus-Training teil.


Lehrer Carsten Rott ist zuständig für die Verkehrssicherheit an der GHS und buchte einen der begehrten Termine. „Über Dreiviertel unserer Schüler fahren aufgrund der geografischen Lage mit dem Bus, viele Fünftklässler aber zum ersten Mal. Häufig unterschätzen sie Gefahren oder sind noch sehr unsicher. Da kam uns das Angebot des RVM entgegen“, betont er.

Die Projektleiterin forderte zunächst einmal 30 Schüler auf, genau das tun, was sie eigentlich nicht tun sollten: Drängeln. Sie stoppte die Zeit, bis alle im Bus waren: 50 Sekunden. Nächste Aufgabe: Ohne Drängeln geordnet einsteigen und dabei noch den Busfahrer freundlich begrüßen: Nach 40 Sekunden waren alle im Bus . „Zehn Sekunden Unterschied machen auf den ersten Blick nicht viel aus, aber je mehr Schüler einsteigen, umso größer wird der Zeitgewinn, der natürlich nicht so wichtig ist wie die Sicherheit und das Wohlbefinden der Fahrschüler“, kommentiert Lehrer Carsten Rott.

Der Bus startete, aber noch nicht alle Schüler hatten ihre Plätze eingenommen. Wie Tarzan versuchten sich nun einige durch den Gang zu hangeln, was sich besonders in Kurven schwierig gestaltete. Der Bus hielt an der nächsten Bushaltestelle, allerdings noch nicht in der endgültigen Position: Er überragte deutlich die Bordsteinkante. Nachdem die Schüler ausgestiegen waren und sich das genauer angesehen hatten, erkannten sie, wie gefährlich es ist, beim Einfahren des Busses zu nahe am Bordstein zu stehen. Logische Schlussfolgerung: Abstand halten und nicht sofort in Richtung Tür stürmen, denn sogar der niedrige Spiegel könnte zu Kopfverletzungen führen.

Mit der bloßen Hand eine Kartoffel zu zerdrücken, gelang keinem noch so starken Schüler als nächste Übung. Doch der Bus mit seinen rund drei Tonnen Gewicht auf jedem Reifen zermatschte jede Kartoffel zu Brei. Die Vorstellung, was mit einem Fuß, der unter die Räder gerät, passieren kann, ließ die Gesichter der Schüler ernst werden.

Zwei mit Wasser gefüllte Kanister wurden auf den beliebten hinteren Plätzen deponiert. Schon bei einer leichten Vollbremsung bei einem Tempo von höchstens 20 Stundenkilometern rutschten sie durch den ganzen Bus - auch keine angenehme Vorstellung.

„Die Stopptaste ist keine Spaßtaste, sondern nur zum Signal geben da, wenn man aussteigen möchte“, betonte Schepers. Natürlich sei der Notfallhammer nicht zum Mitnehmen gedacht, sondern lebenswichtig, um im Notfall eine Scheibe einschlagen zu können, zum Beispiel bei Feuer oder Unfällen.



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