Kinder- und Jugendarzt Dr. Christoph Schäper (r.) berichtete Eltern und Erziehern von den Möglichkeiten des Sozial Pädiatrischen Zentrums in Rheine.Foto: (Nadine Janning)
Metelen - Am Mittwochabend drehte sich im DRK-Kindergarten „Zwergenburg“ alles um Kinder- und Jugendkrankheiten. Dr. Christoph Schäper und Heilpädagogin Silke Stemmerich vom Sozial Pädiatrischen Zentrum (SPZ) in Rheine stellten Eltern und Erziehern ihre Arbeit vor.
Seit 1968 gibt es pädiatrische Zentren in Deutschland. Das SPZ Rheine wurde 2004 eröffnet. Es ist eine Einrichtung zur ambulanten Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr. Die Betreuung erfolgt auf Überweisung des Kinder- und Jugend- oder des Hausarztes. „Die Grundidee dieses Zentrums ist die interdisziplinäre Arbeit“, erklärt Schäper. „Bei uns arbeite ich als Arzt zusammen mit Ergotherapeuten, Psychologen, Logopäden, Physiotherapeuten und Heilpädagogen. Zur ganzheitlichen Abklärung ist diese Teamarbeit notwendig.“
Behandelt werden Säuglinge, Kinder und Jugendliche, die Entwicklungsauffälligkeiten haben, wie Sprachstörungen, motorische Schwierigkeiten, oder die auffällig aggressiv oder zurückhaltend sind und sich beispielsweise abkapseln. Zusätzlich arbeitet das SPZ mit dem Mathias-Spital zusammen, denn auch um Kinder, die zu früh geboren werden, kümmern sich die Mitarbeiter. „Diese haben von Beginn ihres Lebens an einen schweren Weg vor sich und sind auf eine gute Versorgung angewiesen“, so Stemmerich. Außerdem werden auch Kinder mit Grunderkrankungen, wie Behinderungen behandelt.
Per telefonischer Anmeldung können sich Eltern an das Zentrum wenden. Anschließend wird ein Gesprächstermin vereinbart, bei dem über die Anliegen, Sorgen, aber auch Erwartungen gesprochen wird. Hierbei werden die Entwicklung, die Familienstruktur und die Krankengeschichte des Kindes betrachtet. Die Ärzte und Therapeuten, nehmen sich beim Erstkontakt sieben bis acht Stunden Zeit, um das Kind in vielen unterschiedlichen Situationen zu erleben. Es kommen verschiedene Tests zur Entwicklung, Intelligenz, Motorik oder der Sprachentwicklung des Kindes zum Einsatz. Außerdem wird mit Fragebögen gearbeitet, die von den Müttern und Vätern ausgefüllt werden. Danach stimmen sich die verschiedenen Abteilungen ab. In einem Abschlussgespräch wird noch einmal mit den Eltern geredet, dann bekommt der Kinderarzt einen Bericht, der Empfehlungen für die weitere Behandlungen enthält.
Oft wird das SPZ aufgesucht, wenn Kinder Schwierigkeiten beim Übergang vom Kindergarten zur Schule haben. In Absprache mit den Eltern treten die Mitarbeiter auch mit Lehrern in Kontakt. Liegt beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie (Rechenschwäche) vor, wird nach Fördermöglichkeiten gesucht. Zusätzlich ist das Zentrum auch mit anderen Institutionen wie Frühförder- oder Beratungsstellen eng vernetzt. „Wir sind sehr froh, dass es diese Einrichtung gibt“, erzählt Erzieherin Ulrike Füssner. „Wenn wir eine Störung bei einem Kind feststellen, können wir auf das SPZ verweisen.“
Zu dem aktuellen Angebot der Sozialpädiatrie sind noch weitere Dinge geplant. „Wir wollen Gruppenangebote entwickeln, die sich mit Elterncoaching oder der Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit befassen“, berichtet der Kinder- und Jugendmediziner Schäper abschließend.