Der erste Nagel ist krumm

Zimmermann Peter Roolfs (r.) justiert den Kran. Sein Kollege Martin Moorsink hilft ihm dabei, den Richtkranz auf das Dach zu bekommen. Bewohner und Mitarbeiter des St.-Sophien-Hauses schauen aufmerksam zu.Foto: Martin Schlak
Zimmermann Peter Roolfs (r.) justiert den Kran. Sein Kollege Martin Moorsink hilft ihm dabei, den Richtkranz auf das Dach zu bekommen. Bewohner und Mitarbeiter des St.-Sophien-Hauses schauen aufmerksam zu.Foto: Martin Schlak


Metelen - Der erste Schlag geht daneben. Der Nagel ist krumm. Doch Franz Leusbrock, der Bauherr und Aufsichtsratsvorsitzende von Tectum Caritas, gibt den Hammer nicht aus der Hand. Peter Roolfs und Martin Moorsink schauen schmunzelnd zu. Die beiden Zimmermänner der Firma Dinkelholzbetriebe aus Neuenhaus haben den wichtigsten Teil des Richtfestes des St.-Sophien-Hauses am gestrigen Freitag schon hinter sich gebracht: Der Richtkranz hängt. Vom Dach des Neubaus der Einrichtung für geistig behinderte Menschen haben sie dann den Richtspruch verlesen.

Über 50 Bewohner, die derzeit im Altbau und in Außenwohnanlagen leben, und 15 Mitarbeiter schauen und hören bei dem ganzen Ereignis aufmerksam zu. Eigentlich finde das Richtfest immer statt, wenn der Rohbau fertiggestellt sei und der Dachstuhl stehe, hat Leusbrock in seiner Begrüßung gesagt: „Wir haben aber einen Flachbau.“ Auf die Tradition wollte man dennoch nicht verzichten.


Der Zeitpunkt für das Fest stimmt - auch wenn es keinen Dachstuhl gibt: Die Zimmerleute sind mit ihrer Arbeit am Neubau fast fertig. „90 Prozent sind geschafft“, schätzt Bauleiter Helmut Niemöller. „Wegen des kalten Winters hinken wir aber fast zweieinhalb Monate hinter dem Zeitplan her“, so Niemöller. Die Maurer konnten bei den Minusgraden nicht arbeiten. Erst vor zwei Wochen ging es weiter, die Verblendungen sind auf einigen Seiten bereits fertiggestellt. Auf das Dach wird nun noch eine Abdichtungslage aufgebracht. Später werden die leicht schrägen Dächer über den drei Wohngruppen begrünt. Im Oktober soll das 3,2 Millionen Euro teure Gebäude fertig sein. „Wenn sich der Bezug etwas verzögert, ist das nicht weiter schlimm, da die 24 Bewohner vom Altbau in das neue Gebäude herüber ziehen“, sagt Gregor Wortmann, Nachfolger von Tectum-Geschäftsführer Rolf Schürmann.

Die Bewohner sehen das wohl etwas anders. „Einige schauen jeden Abend, wenn sie von ihrer Arbeit aus den Werkstätten in Ochtrup zurückkehren, nach, was sich auf dem Bau getan hat“, erzählt die Leiterin des Hauses, Monika Schmelter. Sie könnten den Umzug kaum abwarten. Und das Richtfest sei nun einmal eine wichtige Etappe. Kein Wunder, dass die Bewohner und auch die Beschäftigten laut die Schläge mitzählen, die Franz Leusbrock braucht, um die Nägel in den Balken auf dem Dach zu hämmern. Erst wenn sie alle im Holz verschwunden sind, ist das Richtfest ordnungsgemäß beendet.

Und auch erst dann geht der Bau weiter - nach einem Empfang im Altbau der Einrichtung. Mit Akkordeonmusik, Salat und Getränken. Soviel Zeit muss sein.


13 · 03 · 10



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