Komplett abgebrannt ist der Dachstuhl des ehemaligen Bürogebäudes der Rawe-Fabrik bei der Übung am 12. Juli. Im Nachhinein kritisieren Mitglieder der Feuerwehr die Art und Terminierung der Übung. Foto: (Josh Groeneveld)
Metelen - Es ist sechs Wochen her, da lockten Rauchwolken Schaulustige an die Wettringener Straße. Die Freiwillige Feuerwehr war zu einer „heißen“ Übung ausgerückt. Dabei brannte der Dachstuhl des früheren Rawe-Bürogebäudes aus (wir berichteten). Das Feuer war so groß geworden, dass die Kameraden Verstärkung aus Ochtrup anfordern mussten und sich die Löscharbeiten hinzogen. Eine geplante Rettungsübung wurde abgesagt.
Nach Informationen unserer Zeitung gab es noch am Abend der Übung Kritik seitens einiger Beteiligter. Seitdem schwelt es in den Reihen der Kameraden. Die Einwände richten sich vor allem gegen die Art der von Gemeindebrandinspektor Norbert Beuting organisierten Übung und die Terminierung: an dem Tag (12. Juli) herrschte nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes für den Kreis Steinfurt eine Waldbrandgefahr der Stufe zwei bis drei, mittags gab es ein heftiges Gewitter, das mit umgestürzten Bäumen endete. Dadurch waren einige Feuerwehr-Kameraden mit der Räumung von Straßen beschäftigt.
Die Alarmierung „Kleinbrand“ ging gegen 19 Uhr raus. „Als wir eintrafen, sah ich sofort, dass Hopfen und Malz verloren waren. Ich habe sogar überlegt, ob das wirklich eine Übung ist, weil man so etwas normalerweise unter Kontrolle hat“, so ein Mitglied der Feuerwehr, das ungenannt bleiben möchte. Das Feuer habe sich aufgrund der langen Trockenheit schnell ausgedehnt. Die Kameraden hätten alle Hände voll zu tun gehabt, der Flammen Herr zu werden - bei hochsommerlichen Temperaturen. „Es war einfach zu heiß. Diejenigen, die unter Atemschutz arbeiteten, hätten leicht einen Kreislaufkollaps erleiden können“, so ein anderer Feuerwehrmann, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen möchte. Das Risiko, dass jemand zu Schaden hätte kommen können, sei hoch gewesen.
Das sieht Norbert Beuting anders. „Auch wenn es warm ist, muss die Feuerwehr einsatzfähig sein. Zur Wärmegewöhnung werden sogar Übungen in Brandcontainern gemacht. Wem 27 Grad zu warm sind, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er noch Dienst tun kann. Wir sind keine Schönwetterfeuerwehr.“ Eine Gefährdung hinsichtlich der Waldbrandgefahr sieht Beuting nicht. „Wir waren nicht in der Nähe eines Waldes, es bestand keine akute Gefahrenstufe.“ Es sei eine gute Gelegenheit gewesen, unter realen Bedingungen zu üben.
Mit dieser Meinung steht Beuting nicht alleine da. „Wenn es ein wirklicher Einsatz gewesen wäre, hätten wir auch raus gemusst“, sagt Gerätewart und Mannschaftsführer Michael Bremer. „Dass die Übung etwas größer geriet, ist Pech. Ich kann mich als Feuerwehrmann nicht mit dem Wetter rausreden.“ Wie weitere Kameraden, mit denen das Tageblatt gesprochen hat, hält er es für unnötig, im Nachhinein „Öl ins Feuer zu gießen“. Er könne nicht verstehen, dass „manche Kameraden anonym Kritik üben“. „Hinsichtlich Ablauf und Abarbeitung weise ich jedwede Kritik entschieden zurück“, sagt Ansgar Stening, Berufsfeuerwehrmann und Einsatzleiter bei der Übung. „Es ist bekannt, dass die Feuerwehr bei jeder Wetterlage arbeiten muss. Um in Extremsituationen professionell arbeiten zu können, muss man auch hin und wieder in annähernden Extremsituationen üben.“
Generell kein Freund von „heißen“ Übungen ist Kreisbrandmeister Bernhard Duesmann. „Das ist schon eine Rarität. Dafür gibt es Brand-Container.“ Es liege jedoch in der Verantwortung der Wehr, den Leistungsstand durch Übungen zu überwachen. Termine seien von langer Hand geplant. „Im Jahresdienstplan steht nicht drin, ob es an dem Tag heiß ist“, so Duesmann. „Die Frage ist, ob es Not tut, dann Paletten anzustecken.“
Hinsichtlich der Ausbreitung des Feuers sagt Duesmann: „Ich kann der Flamme nicht sagen ,Du bleibst da sitzen. Wenn ich ein Haus anstecke, sollte das komplett abbrennen können. Das zu kontrollieren, ist äußerst schwer.“ Im konkreten Fall habe er Beschwerden erhalten. „Es wird auf jeden Fall noch Gespräche geben“, kündigte er an.
Bürgermeister Helmut Brüning, der oberster Dienstherr der Feuerwehr ist, bestätigt, dass die Übung mit dem Ordnungsamt abgesprochen war. Aus seiner Sicht sei nichts dagegen einzuwenden, für eine realitätsnahe Übung ein echtes Feuer zu wählen.