Metelen - Der Esel hat sich einen Entschluss gefasst: „Ich werde Bremer Stadtmusikant“, tönt er, als er die Stellenanzeigen in der Tageszeitung durchgeht. Denn nur um ein Haar ist er seinem Müller entkommen, der ihm „an den Kragen wollte“, wie das graue Tier erzählt. Begleiter für seine Reise hat der Esel schnell gefunden. Einen geflüchteten Hund, eine Katze, der die scharfen Zähne zur Mausejagd ausgefallen sind, und einen Hahn, der von seiner Herrin bereits für den Kochtopf bestimmt war. Alle sind sie auf der Flucht. Und haben nur eines bei sich. Ein Akkordeon, eine Rassel, eine Trommel und eine selbstklingenden Dose.
Die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten ist den meisten der 30 Zuschauern am Donnerstagabend im Bürgerhaus bestens bekannt - aber das Schauspiel der Metelener Gruppe „Tungenslag“ lassen sie sich trotzdem nicht entgehen. Der elfjährigen Doreen Averbeck und ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Clara gefällt eines besonders: „Die Kostüme sind toll“, so die Geschwister. Mit Hahnenkamm, Schlappohren, Hundeschnauze und Schnurrhaaren schlüpfen die Laien-Schauspieler Herbert Lösing, Angelika Schlegel, Angelika Pier und Reinhard Brahm in die Rollen der Stadtmusikanten und begeistern das Publikum. Egal, ob als Räuber im Wald oder als musizierendes tierisches Quartett - beides verkörpert die Gruppe gekonnt. Lediglich der Bart von Angelika Schlegel als Räuberin will während des 30-minütigen Auftritts einfach nicht gehorchen. Doch die Schauspielerin, die am Donnerstagabend zum ersten Mal auf der Bühne steht, nimmt es mit Humor. „Wenn einem so langsam der Bart abfällt, obwohl er doch erst vor einem Tag gekauft wurde, ist das natürlich ärgerlich“, so Schlegel.