Den Nachkommen verpflichtet


8 Uhr morgens auf dem Hof Konert: Ein knappes Dutzend Trecker macht sich auf den Weg nach Lingen. Dort wollen die Landwirte vor dem Atomkraftwerk demonstrieren.
8 Uhr morgens auf dem Hof Konert: Ein knappes Dutzend Trecker macht sich auf den Weg nach Lingen. Dort wollen die Landwirte vor dem Atomkraftwerk demonstrieren.


Metelen - Die Botschaft der Landwirte, die sich auf dem Hof von Heiner Konert versammelt haben, ist eindeutig: „Stopp Castor“ steht in dick gedruckten Buchstaben auf einem Schild. „Münsterland - Atommüllhalde der Nation?“, so die Frage, die ein weiterer Bauer vor seinen Traktor geheftet hat, und den Laster eines Lkw schmückt gar die provokative Aussage „Bin unschuldig, ich habe CDU nicht gewählt!“.

Landwirt Heiner Konert, der sich am Donnerstagmorgen mit der Aufschrift „Zukunftsenergien sind erneuerbar“ auf seinem T-Shirt präsentiert, hat innerhalb von drei Tagen diesen Demonstrationszug organisiert. Ziel ist das 45 Kilometer entfernte Atomkraftwerk in Lingen, bei dem heute Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast ist.


Merkel besucht derzeit unterschiedliche Kraftwerkstypen und sammelt dort Informationen, Anregungen und Argumente zur Erstellung eines Energiekonzeptes für die Zukunft. In Lingen stand gestern ein Gespräch mit den Vorstandsvorsitzenden von RWE und EON auf dem Programm. Thematisiert wurde eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

Zurück ins verregnete Metelen: „Wir wollen zeigen, dass erneuerbare Energien eine neue Qualität der Stromversorgung darstellen, die verantwortungsbewusst und zukunftsgerecht mit den späteren Generationen umgehen“, so Konert in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk. Teilnehmer der Demonstration sind Landwirte aus dem ganzen Kreis, die sich alle auf einem Bauernhof in Bilk treffen. Konert: „Ich rechne mit rund 40 Bauern.“ Auch die Landwirte aus dem Kreis Borken ziehen mit.

Anlass für Heiner Konert, eine derartige Demonstration zu organisieren, war eine Diskussionsrunde führender Wirtschaftsführer im Fernsehen zur Frage der Laufzeiten von Atomkraftwerken und dem Neubau von Kohlekraftwerken. „Da kam die Verantwortungslosigkeit einfach in vollem Maß durch“, erklärt Konert seine Motivation. Zwar ist der Schlepper sicherlich nicht die schnellste Methode, ins Emsland zu gelangen, aber als Gefährt wurde er für den Zug ganz bewusst gewählt. Konert: „Der Trecker symbolisiert die Bauern. So wird deutlich, dass auf ihm keine Touristen kommen, die demonstrieren, sondern die Leute vor Ort.“

In einer Kolonne setzen sich die zehn Metelener Trecker schließlich in Bewegung. Geografisches Ziel ist das Tor des Atomkraftwerkes in Lingen - ideelles Ziel ein klares Bekenntnis zu erneuerbaren Energien. Und die Botschaft ist eindeutig.



26 · 08 · 10





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