Abgesackte Gräber auf dem Friedhof: „Für manche ist das schaurig“


Die meisten Gräber lassen sich nur mit mehreren Schubkarren voll Erde wieder herrichten. Dafür hat die Gemeinde einen Berg Erdreich auf dem Friedhof bereit gestellt. Fotos:
Die meisten Gräber lassen sich nur mit mehreren Schubkarren voll Erde wieder herrichten. Dafür hat die Gemeinde einen Berg Erdreich auf dem Friedhof bereit gestellt. Fotos:
(Braunschweig)


Metelen - Schon seit vier Stunden ist Robert Kortehaneberg an diesem Montagmorgen auf dem Friedhof am Langenhorster Damm beschäftigt. Ein Grab seiner Angehörigen ist bereits wieder fertig, das zweite füllt er gerade mit Erde auf. „Dass so viele Gräber so tief absacken, habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Metelener und spricht damit vielen weiteren Angehörigen aus der Seele, die die letzten Ruhestätten ihrer Lieben so schnell wie möglich wieder herrichten wollen. Der starke Regen der vergangenen Tage hat nahezu jeder Grabstätte zugesetzt. 40 Zentimeter tiefe „Löcher“ in den Gräbern sind keine Seltenheit. Vielfach sind zudem die Wege und Grabeinfassungen unterspült und somit zu gefährlichen Stolperfallen geworden. Die zeitweilige Sperrung des Friedhofs hatte die Gemeinde bereits am Montag wieder aufgehoben. Aber schon am Wochenende hatten sich dennoch viele ein Bild von dem Zustand der Gräber gemacht, denn: „Für manche ist das schaurig“, sagt Robert Kortehaneberg. Der Anblick der abgesackten Grabstätten löst nicht selten Emotionen aus.

Das bestätigt auch Ursula Stein. Sie ist an diesem Morgen mit ihrem Mann Erich zum Friedhof gekommen, um die Grabstätte des gemeinsamen Sohnes wieder herzurichten. Drei Schubkarren Erde haben sie dafür schon geholt. Diese hatte die Gemeinde auf dem Friedhof abkippen lassen, um es den Angehörigen zu ersparen, selbst neues Füllmaterial heranholen zu müssen. „Man macht sich natürlich schon seine Gedanken“, sagt Ursula Stein. Das Festtreten der neuen Erde auf dem Grab sei sehr unangenehm, so die Metelenerin.


Die Bepflanzung herunter nehmen, Erde auffüllen, alles wieder einpflanzen - damit ist es bei manchen Gräbern jedoch nicht getan: Zum Teil sind die schweren Grabsteine in Schieflage geraten oder Steinplatten, die manche Gräber komplett bedecken, sind wie ein zusammengefallenes Kartenhaus nach unten gesunken. Da ist viel Muskelkraft oder schweres Gerät gefragt.

Robert Kortehaneberg hat bereits die fünfte Karre voll herangeholt. Nieselregen setzt ein. „Das ist natürlich immer mit Arbeit verbunden“, sagt der Metelener. Seiner Meinung nach hat es vor allem Gräber getroffen, die acht bis zehn Jahre alt sind. Schon am Freitag hat er sich einen Überblick über die Grabstätten der Familie verschafft. Jetzt greift er wieder zur Schaufel: „Ich will ja, dass es wieder so aussieht wie vorher.“

Marlies und Ralf Weiß sind so gut wie fertig. Drei Schubkarren mussten sie holen, jetzt hat die Grabstätte ihrer Angehörigen wieder eine normale Höhe erreicht. „Das, was man sonst in zehn Jahren nachfüllt, haben wir jetzt auf einen Schlag machen müssen“, sagt Ralf Weiß. Dass der Anblick der Gräber bei vielen unangenehme Gefühle auslöst, kann Marlies Weiß gut verstehen. „Das ist nun mal ein sensibler Bereich“, sagt sie.

Einige Grabstellen weiter hat Reinhard Jockweg gerade die nächste Ladung Erde herangeholt. Angesichts der vielen Metelener, die an diesem Morgen mit Arbeitsgerät angerückt sind, ist er überzeugt: „Das sieht Ende der Woche schon wieder ganz anders aus.“ Er macht auf die Wege aufmerksam, deren große Platten sich heimtückisch hochklappen können, wenn sie unterspült sind. „Das ist nicht ganz ungefährlich“, sagt er.

Das sieht auch Matthias Ewering von der Gemeinde so. „Erst müssen die Gräber neu befüllt sein, dann können wir die Wege machen“, erklärt er und hofft, dass die Mitarbeiter des Bauhofes damit in der kommenden Woche beginnen können. Bis dahin rät er den Friedhofsbesuchern, sich auf den gepflasterten Gängen sehr vorsichtig zu bewegen. Eine direkte Gefahr durch wackelige Grabsteine bestehe jedoch nicht.

Um die Grabstätten aufzufüllen, hat die Gemeinde auch am alten Friedhof Erde bereit gestellt.

VON LINDA BRAUNSCHWEIG, OCHTRUP / METELEN


31 · 08 · 10





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