Hitzige Diskussionen bei der Jahreshauptversammlung
Die EIG am Scheideweg
Fürs Foto gabs ein Lächeln, ansonsten aber hatte der Vorstand um die Doppelspitze Horst Pitlinski (2.v.r.) und Gerd Treder (M.) während der Generalversammlung wenig Anlass, gut gelaunt zu sein. Mit auf dem Bild der als Beisitzer wiedergewählte Herbert Schmedding (r.) sowie die beiden Kassenprüfer Josef Heyert (l.) und Helmut Kottig. Foto: (Schippers)
Metelen - Gern wird bei Berichterstattungen zu Jahreshauptversammlungen das Attribut „harmonisch“ bemüht. Im Fall der Eisenbahn Interessengemeinschaft (EIG) kann davon jedoch keine Rede sein, im Gegenteil: Emotional, teils tumultartig, in jeder Hinsicht jedoch hitzig verlief die Generalversammlung der Museumsbahner am Freitagabend in der Gaststätte Elling. So zog sich die Veranstaltung - obwohl von der inhaltlichen Vorgabe recht überschaubar - über fast drei Stunden hin.
Eins wurde bei der Hauptversammlung allzu deutlich: Es gibt innerhalb der EIG offenbar zwei Lager, die sich gegenseitig spinnefeind sind. Dies äußerte sich am Freitagabend in zeitweise endlos erscheinenden Diskussionen zwischen dem aus Steinfurt stammenden Mitglied Helmut Klünder und dem Vorstand um den zweiten Vorsitzenden Horst Pitlinski und Schriftführer Gerd Treder. Der Rest der Mitglieder - von den fast 100 Vereinszugehörigen waren weniger als ein Dutzend bei Elling erschienen - hielt sich lange bedeckt, äußerte dann jedoch zunehmend Unmut über das verbale Hick-Hack.
Das entzündete sich gleich zu Beginn direkt nach dem Punkt „Begrüßung und Totengedenken“, als Schriftführer Treder in aller Ausführlichkeit das Protokoll der Vereinsaktivitäten des Jahres 2010 verlas. Klünder bezeichnete dies schlichtweg als „überflüssig“. Es sei ausreichend, wenn das Protokoll schriftlich zur Einsichtnahme vorliege. „Die 15 Minuten hätten wir uns sparen können“, so das Steinfurter Mitglied, der mit dieser - durchaus nachvollziehbaren - Meinung indes beim Vorstand auf Ablehnung stieß. Auch beim folgenden Punkt, dem von Pitlinski vorgetragenen „Jahresrückblick 2011“, hatte Klünder eine - aus externer Sicht wiederum nicht ganz unberechtigte - Anmerkung: Warum nicht erwähnt worden sei, dass ein Mitglied 2011 aus dem Verein ausgeschlossen wurde, wollte er vom Vorstand wissen. Zudem sei der diesem Akt zugrunde liegende Rechtsstreit um die Eigentumsrechte an einer historischen Fahrkartensammlung mit keinem Wort genannt worden, bemängelte er. Das Ergebnis der Anfrage: Es entbrannte eine längere Diskussion, die sich in ihrer Emotionalität dermaßen steigerte, dass zwischenzeitlich gar der Antrag auf Ausschluss Klünders aus der laufenden Versammlung gestellt wurde. Erst nachdem Pitlinski angekündigt hatte, die Punkte nachträglich ins Protokoll zu übernehmen, beruhigten sich die die Gemüter nach geraumer Zeit wieder.Relativ zügig und sachlich gingen die weiteren Regularien über die Bühne: Kassierer Thomas Ernsting berichtete von einer gesunden Kassenlage bei der EIG. Im Jubiläumsjahr konnte die Kasse ein Plus von fast 2000 Euro verbuchen - obwohl laut Gerd Treder nicht eingeplante, rund 3000 Euro Prozesskosten für den Rechtsstreit Helker gegen EIG angefallen sind. Nach dem Bericht der Kassenprüfer, die dem Kassierer eine einwandfreie Kassenführung bescheinigten, wurde dem Gesamtvorstand bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme (Klünder) Entlastung erteilt.
Beim Punkt Vorstandswahlen folgte die Versammlung einhellig dem Vorschlag des amtierenden Gremiums, bis zur Generalversammlung 2013 im Vorsitz mit einer Doppelspitze bestehend aus dem bisherigen zweiten Vorsitzenden Horst Pitlinski und Schriftführer Gerd Treder zu agieren. Die Neubesetzung war erforderlich geworden, weil der bisherige Vorsitzende Hubert Kortehaneberg zwischenzeitlich zurückgetreten war (wir berichteten). Als Beisitzer wurde Herbert Schmedding bestätigt, für zwei darüber hinaus zu besetzende Beisitzerposten fanden sich keine Kandidaten. Zu neuen Kassenprüfern wurden Josef Heyert und Helmut Kottig bestimmt.
Nach einem Appell von Gerd Treder an die Mitglieder, sich verstärkt als Uniformträger bei Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen (“Das ist eine wichtige Einnahmequelle für uns“), drohte die Versammlung beim folgenden Punkt „Antrag des Mitglieds Helmut Klünder aus Steinfurt“ wiederum zu entgleisen. Klünder hatte vorgeschlagen, Protokolle schon im Vorfeld von Jahreshauptversammlungen schriftlich an die Mitglieder zusammen mit den Einladungen zu übersenden oder alternativ im Internet bekanntzugeben. „Das wäre nur ein geringer Aufwand und würde die Jahreshauptversammlungen selbst verkürzen“, argumentierte er. Im Vorstand stieß er damit auf wenig Gegenliebe. „Es ist zu befürchten, dass dann noch weniger Mitglieder zur Versammlung kommen“, meinte Gerd Treder. Beisitzer Schmedding ergänzte, dass solche Übersendungen üblicherweise im Vereinswesen nicht vorgesehen seien. Dies sah wiederum Klünder anders. Der Antrag wurde schließlich mehrheitlich abgelehnt.
Auch der abschließende Punkt „Verschiedenes“ hatte es dann noch mal in sich: Inhaltlich ging es wiederum um den im vergangenen Jahr geführten Rechtsstreit und dessen Wiedergabe in den Medien in Form von redaktioneller Berichterstattung und Leserbriefen. Da hatte der Großteil der ohnehin schon wenigen erschienen Mitglieder den Saal Elling allerdings schon verlassen . . .