Drei der fleißigen Näherinnen des Heimatvereins, Irmgard Dirksen (2.v.l.), Christa Feldevert (3.v.l.) und Adele Köllmann (5.v.l), mit Egon Bode (4.v.l.) und Agnes Bode (2.v.r.). Judith Waltermann (l.), Dr. Peter Eckhardt (4.v.r.), Anja Reidegeld (3.v.r.) und Bürgermeister Kai Hutzenlaub laufen und spielen am 11. September ebenfalls mit.Fotos: Martin Schlak
Ochtrup - Das Drehbuch steht. Nur einige Regieanweisungen fehlen noch. Und die Namen der beiden Hauptdarsteller. „Wir haben unser Brautpaar schon lange gefunden“, sagt Egon Bode. Zur Anprobe waren die zwei bereits da. Ihre Kostümen sitzen. Soviel verrät Bode. Doch wer der Leineweber und die Töpferstochter sind, die sich am 11. September das Ja-Wort geben werden, das gibt er nicht preis.
Es ist ein Geheimnis, das der Heimatverein erst kurz vorher lüften will. Zu seinem 111. Geburtstag führt er die Leineweberhochzeit auf - erstmals seit 2003 wieder in Ochtrup. Alles soll originalgetreu wie vor 150 Jahren ablaufen. Die Vorbereitungen des 25-köpfigen Arbeitskreises des Heimatvereins um Egon Bode laufen auf Hochtouren. Das wurde bei einem Pressetermin am Montag deutlich.
Auch wenn die beiden Hauptpersonen eingekleidet sind, bleibt für die sechs Näherinnen noch genug Arbeit. Margret Pahrberg, Maria Issinghoff, Margret Sünker, Paula Niesing, Christa Feldevert und Irmgard Dirksen sind derzeit fast pausenlos im Einsatz. Adele Köllmann unterstützt die Frauen bei den Stickarbeiten. Die Fäden laufen bei Agnes Bode zusammen. „Ohne das ehrenamtliche Engagement dieser Frauen wäre es unmöglich, die Veranstaltung durchzuführen“, sagt sie.
Auch wer nur eine Nebenrolle spielt, kommt an den acht Ochtruperinnen nicht vorbei. Am Montag nahm Christa Feldevert die Maße des Sparkassen-Vorstandsvorsitzen Dr. Peter Eckhardt. „Er spielt einen Onkel aus Amerika“, skizziert Egon Bode die Rolle. Eckhardt wird einen Gehrock tragen - genau wie Bürgermeister Kai Hutzenlaub, der den Standesbeamten spielt, und der Erste Beigeordnete Kai Uffelmann, der den Amtmann verkörpert.
„Ungefähr 40 Stunden Arbeit stecken in einem solchen Anzug“, schätzt Feldevert. Nicht alle Kostüme fa-brizieren die Frauen für die anstehende Leineweberhochzeit neu. „Das wäre unbezahlbar“, sagt Agnes Bode. „Wir ändern auch moderne Kleider ab oder passen die alten Schätzchen an die Mitspieler an.“ Letzteres ist manchmal gar nicht so einfach. „Die Gehröcke, die aus dieser Zeit stammen, sind so eng, da passt heute kaum noch einer rein“, erzählt Bode.
In diesem Jahr sollen die Requisiten noch ein bisschen näher am Original sein als in den letzten Jahren, in denen der Verein mit der Hochzeit durch NRW tourte. Auch eine ehemalige Hutmacherin haben die Heimatfreunde gefunden: Mechthild Hartmann-Mahler wird für die passenden Kopfbedeckungen sorgen. Bürgermeister Kai Hutzenlaub bekam am Montag probeweise schon einmal einen schwarzen Hut aufgesetzt.
Die meisten Nebenrollen sind verteilt. Dennoch können sich Heimatfreunde, die Lust haben, mitzumachen, noch bei Egon Bode melden. „Wir suchen gerade auch junge Leute“, sagt er. Einer der jüngsten Teilnehmer wird wohl Hutzenlaubs Sohn Conrad sein, der im Moment zehn Monate alt ist. „Auch er wird Trachten tragen“, sagt der Bürgermeister.
Die Vorfreude auf die Leineweberhochzeit ist groß. Das Fest soll wieder Tausende Besucher in die Innenstadt ziehen. 300 Menschen in Originaltracht und acht Kutschen werden für das nötige Ambiente sorgen. Viele umliegende Heimatvereine haben ihre Teilnahme zugesagt.
Damit alles passt, muss der Arbeitskreis dem Drehbuch der Leineweberhochzeit in den nächsten Monaten noch den Feinschliff geben. Die Marschroute der Hochzeitsgesellschaft steht noch nicht fest. „Wir würden gerne auch das EOC-Center einbinden“, sagt Egon Bode. Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem katholischen Pfarrer Josef Wichmann und seinem evangelischen Kollegen Albrecht Philipps ist geplant. Am Abend veranstaltet der Heimatverein dann die Hochzeitsfeier in der Stadthalle. Die Musik kommt von der Ochtruper Gruppe „Stüwwenköppe“. Musik, die allerdings etwas jünger ist als 150 Jahre.