Eine grüne Bohne auf Zack: Barbara Rieck ist die gute Seele der Narrenzunft Lamberti


Fröhlich und voller Tatendrang: Barbara Rieck hält die Lamberti-Narren seit elf Jahren als Schriftführerin auf Trab.Foto:
Fröhlich und voller Tatendrang: Barbara Rieck hält die Lamberti-Narren seit elf Jahren als Schriftführerin auf Trab.Foto:
(Katharina Fiegl)


Ochtrup - Sie stehen im Mittelpunkt oder halten sich eher im Hintergrund: Sie organisieren, delegieren oder packen selbst an - die guten Seelen der Vereine. Das „Tageblatt für den Kreis Steinfurt“ stellt in loser Folge einige Ochtruper und Metelener Ehrenamtliche vor, die aus dem Vereinsbetrieb nicht wegzudenken sind. In unserem heutigen Porträt: Barbara Rieck aus Ochtrup.

Als sich Barbara Rieck an Karneval als grüne Bohne verkleidete, war sie „sofort die Bekloppte“ - im positiven Sinne. Kurz zuvor in die Narrenzunft Lamberti eingetreten, brachte die gebürtige Berlinerin Ende der 90er-Jahre direkt zum Ausdruck: Sie schätzt Individualität, ist kreativ, immer auf Zack und impulsiv. Und ein ausgesprochen fröhlicher Mensch.


Zu jedem Anlass mit Kostümpflicht erscheint Rieck in einem anderen Outfit. Ob als weiblicher Harlekin oder als die böse Königin aus „Schneewittchen“ - der Putz ist stets selbst entworfen. Und damit sie die Vielfalt gewährleisten kann, greift die 60-Jährige oftmals auf Bestandteile eines alten Dresses zurück. Ein hartes Los indes für die grüne Bohne: Sie ist mittlerweile zur Waldfee mutiert.

Es waren familiäre Gründe, die die ehemalige Verkäuferin und jetzige Fußpflegerin einst von der Bundeshauptstadt nach Ochtrup zogen. Über eine Handarbeitsgruppe wurde sie schließlich „in den Karneval eingeschleust“ - wo die Narrenzunft-Mitglieder sogleich ihr Potenzial als Ehrenamtliche ausmachten: „Wer viel redet, kann auch viel schreiben“, habe es geheißen, erinnert sich die vierfache Mutter gackernd. Und so bescherte ihr ihre Kommunikationsfreude - trotz der ihr attestierten „Berliner Schnauze“ - gleich einen Posten: den der Schriftführerin.

Arbeit, die Barbara Rieck auch nach elf Jahren noch mit sogar stetig wachsender Freude erfüllt. Schließlich steigt die Zahl der Karnevalsvereine aus dem Umland, mit denen die Narrenzunft Lamberti freundschaftlich anbandelt, fortlaufend - 25 sind es momentan. Kontakte, deren Pflege bei der Narrenzunft eine der zahlreichen Schriftführer-Tätigkeiten darstellt - neben dem Schreiben von Protokollen und Einladungen sowie zahlreichen koordinatorischen Aufgaben. Nicht zu vergessen das Engagement im Festausschuss. „So lerne ich immer wieder neue Leute kennen“, freut sich Rieck über ihren bunten Ehrenamtsalltag. Das mache den Charme des karnevalistischen Treibens für sie aus - neben der Gemeinschaft und der Möglichkeit zum Feiern, Verkleiden und Tanzen.

Von Individualität zeugt indes auch Riecks Art, dem närrischen Treiben zu frönen: „Ich trinke keinen Alkohol - ich kann nämlich ohne genauso fröhlich sein“, erklärt sie selbstbewusst. Charakterstärke bescheinigt die inzwischen selbstständig Tätige indes auch ihren drei Töchern und einem Sohn - wenngleich ein wenig unwillig: „Die haben mit Karneval nämlich alle nichts am Hut - da ist nichts zu machen.“ Die sechs Enkelkinder hingegen seien der fünften Jahreszeit durchaus zugetan. Und Oma freut sich keinesfalls nur über die moralische Unterstützung, sondern ist vielmehr gleich an der nächsten Front aktiv: „Jetzt habe ich einen Grund, noch mehr Kostüme zu nähen.“

Barbara Rieck ist eben ein Energiebündel. Trotz oder vielleicht gerade wegen der Schicksalsschläge, die sie bereits erlitten hat. Ihr erster Mann starb bei einem Autounfall, ihr zweiter an Krebs. „Aber man hat ja nur zwei Möglichkeiten. Den Kopf in den Sand zu stecken oder zu sagen: Jetzt erst recht.“

Und so geht Barbara Riecks Leben weiter - auch das karnevalistische. Langsam mache sie sich schon Gedanken, in welchem Kostüm sie sich bei der Jubiläumsgala zum 30-jährigen Vereinsbestehen präsentiere, verrät die Liebhaberin von Nadel und Faden. Doch folgt sie hierbei dem Brautkleid-Prinzip: Etwas zu sehen gibt´s erst am großen Tag. Ob wohl diesmal die Waldfee dran glauben muss?

VON KATHARINA FIEGL, OCHTRUP


30 · 07 · 10





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