„Ochtrup ist privilegiert“


Die Neuregelung der Notarztversorgung im Kreis Steinfurt gilt seit dem 1. Januar.
Die Neuregelung der Notarztversorgung im Kreis Steinfurt gilt seit dem 1. Januar.
(Foto: Linda Braunschweig)


Ochtrup. Hinter Dr. Martin Sommer liegen anstrengende Wochen. Immer wieder musste der Ordnungsdezernent des Kreises Steinfurt das neue Notarztsystem vorstellen, Kritikern Rede und Antwort stehen. Der Gegenwind, der ihm in den betroffenen Kommunen entgegenschlug, war an vielen Stellen zum Sturm geworden. Gestern hatte er zusammen mit Dr. Ludger Reekers, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis, Rainer Meinke, Sprecher der Krankenkassen, und Gerda Kaumanns, Leiterin des Kreisordnungsamtes, noch einmal eingeladen, um „Wissenslücken in der Bevölkerung“ zu schließen.

Ganz deutlich machte Sommer, dass es „keinen Grund für Verunsicherungen“ gebe. Vor allem die Diskussion um die Gründe für die Neuregelung wollte der Dezernent beenden. „Es waren keine Sparmaßnahmen, die Krankenhäuser konnten einfach die Ärzte nicht mehr stellen. Selbst mit höheren Fallpauschalen hätten die kleinen Krankenhäuser die notwendige Zahl an Ärzten nicht aufbringen können“, sagte Sommer beim Termin in Stroetmanns Fabrik in Emsdetten. Die Kliniken in Rheine und Ibbenbüren hätten diese Probleme nicht, wohl aber die in Emsdetten, Greven und Ochtrup. Das System sei durch die ständigen Ausfälle bei den Notarztdiensten nicht befriedigend gewesen.


680 Einsätze für den Notarzt habe es im Jahr 2007 in Ochtrup gegeben. Das sei nach heutigen Maßstäben zu wenig, um einen eigenen Notarzt zu beschäftigen. Ochtrup sei auch in 2008 bereits mit Notärzten aus den umliegenden Wachen wie Gronau und Steinfurt versorgt worden. „Viele, die sich jetzt in Ochtrup zu Wort melden und die Neuregelung kritisieren, kennen die Abläufe und waren auch schon vorher mit dem System vertraut. Sie wussten also, dass es bereits seit mehr als einem Jahr Probleme bei der Versorgung in Ochtrup gegeben hat, weil es immer wieder Abmeldungen vom Ochtruper Krankenhaus gab und der Notarzt von außerhalb kam. Keiner von ihnen hat sich aber vorher gemeldet und diese Probleme geschildert. Das ist bedauerlich“, sprach Sommer deutliche Worte.

Ochtrup sei durch die vorhandene Rettungswache immer noch privilegierter als 17 andere Gemeinden im Kreis. Und selbst wenn der Mediziner aus dem Notärztepool von der Wache in Burgsteinfurt mal in Altenberge sei, griff Ludger Reekers ein Beispiel aus der Diskussion in Ochtrup auf, sei die schnelle Hilfe durch den Gronauer Notarzt gewährleistet. „Durch das Computersystem liegen dem Disponenten in Gronau die Daten binnen Sekunden vor, die Verzögerung wäre minimal“, sagte Reekers.

Bisher sei dieser Fall aber nicht öfter eingetreten, als vor der Einführung der Poollösung, fügte Ordnungsamtsleiterin Kaumanns hinzu. Reekers wies zudem auf die Kompetenzen der Rettungsassistenten hin: „In jedem unserer Autos fahren zwei Assistenten mit. Gesetzlich gefordert ist nur einer. Sie können bis zur Ankunft des Arztes bereits eine Menge tun.“ Ein Großteil der Einsätze werde deshalb auch ohne den Notarzt gefahren. |Kreis Steinfurt

VON LINDA BRAUNSCHWEIG, OCHTRUP / METELEN


21 · 01 · 09





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