Die Sozialpädagogin Kira Pichler-Wösting war von 2003 bis 2009 ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kreisjugendrings Steinfurt. Seit Mitte Mai leitet sie das MGH.Foto: meg
Frau Pichler-Wösting, Sie sind nun seit gut 100 Tagen Leiterin des Mehrgenerationenhauses. Was ist Ihnen an Saerbeck besonders aufgefallen?
Kira Pichler-Wösting: Die Herzlichkeit der Saerbecker. Man hat mir den Start unheimlich leicht gemacht. Und ihre Hilfsbereitschaft. Wenn ich beispielsweise für die „helfenden Hände“ jemand brauche, geht das in kürzester Zeit.
Sie haben eine halbe Stelle - nicht gerade viel für ein Haus, in dem so viele Aktivitäten laufen wie im Mehrgenerationenhaus. Wo sind Ihre Schwerpunkte?
Pichler-Wösting: Mit 19,5 Stunden kann man nicht alles schaffen, das ist klar. Ein Schwerpunkt ist die Organisation und der administrative Teil. Das fängt mit der Buchhaltung an und geht bis zur Anleitung von unseren Praktikantinnen. Ein weiterer großer Schwerpunkt wird im Herbst das Projekt zur Unterstützung Jugendlicher auf ihrem Weg von der Schule in den Beruf sein, dabei werde ich Koordinatorin und Ansprechpartnerin für alle Beteiligten sein.
Im Mehrgenerationenhaus verkehren, wie der Name schon sagt, Kleinkinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Senioren. Sind Sie für diese vielen Gruppen eine Art Moderatorin?
Pichler-Wösting: Die Gruppen und ihre Projekte benötigen zu Beginn einen Anstoß und jemanden, der die Grundstrukturen organisiert. Außerdem ist für diese selbstständig arbeitenden Gruppen ein Ansprechpartner notwendig, der ihnen bei Fragen zur Verfügung steht. Grundsätzlich sind die Gruppen hier im Haus ganz intensiv miteinander im Gespräch. Unterm Strich würde ich sagen, dass die Generationen hier sehr voneinander profitieren.
Wie gut erreichen Sie Menschen, die mit der Kolpingsfamilie, die ja das Haus trägt, nicht unmittelbar zu tun haben.
Pichler-Wösting: Alle Saerbecker Bürger erreicht man natürlich nicht. Aber beispielsweise über die Bürgerbusfahrer, die Loslösegruppe Rappelkiste, die sich seit kurzem bei uns trifft, den Computerclub für Senioren, den Energiestammtisch und das Café erreichen wir sehr viele Saerbecker. Ein Beispiel: Den Mitarbeitern im Café ist neulich aufgefallen, dass jemand Hilfe bei Formularen braucht. Über die Helfenden Hände haben wir Unterstützung organisiert, und die Sache war in drei Tagen erledigt. Vieles funktioniert so ganz schnell und unbürokratisch.
Das Mehrgenerationenhaus wäre nichts ohne die Ehrenamtlichen. Ist es schwierig, immer wieder Leute zu finden, die sich engagieren?
Pichler-Wösting: In einem Ort wie Saerbeck wird es wohl so bleiben wie jetzt: Es gibt einen festen Stamm engagierter Mitarbeiter und andere, die sagen: ich möchte mich gerne für eine überschaubare Zeit für ein bestimmtes Projekt einsetzen, mich aber nicht langfristig binden. Das ist gut so, denn man braucht beides - Verlässlichkeit und frischen Wind.
Wie ist das Verhältnis zwischen hauptamtlicher Leiterin und ehrenamtlichem Vorstand des Mehrgenerationenhauses?
Pichler-Wösting: Es hat viele Vorteile, mit einem ehrenamtlichen Vorstand zu arbeiten. Es gibt kaum Bürokratie. Wenn ich eine Entscheidung brauche, muss ich nicht über zahlreiche Instanzen gehen. Wenn ich eine Idee habe, wird sie gerne aufgenommen, und ich werde gut unterstützt.
Die Zukunft des Mehrgenerationenhauses ist ungewiss, weil die Finanzierung über 2011 hinaus offen ist. Wie wichtig ist dieses Haus für Saerbeck geworden?
Pichler-Wösting: Das Mehrgenerationenhaus hat in Saerbeck mittlerweile einen großen Stellenwert. Im Haus und um das Haus herum sind sehr viele Projekte entstanden, welche die Generationen und die Menschen miteinander verbinden und voneinander lernen lassen. Alle diese Projekte brauchen einen Ort sowie Verlässlichkeit und Kontinuität. Dies alles bietet das MGH, und ich glaube nicht, dass sich alle diese Initiativen ohne das Haus in der bestehenden Form fortführen ließen. Und das wäre furchtbar schade.
Wenn Sie die Chance haben, auf längere Sicht in Saerbeck zu bleiben - würden Sie das wollen?
Pichler-Wösting: Ja. auf jeden Fall. Es ist einfach toll zu sehen, was Ehrenamtliche auf die Beine stellen können.