Maria Kasselmann deckt erbärmliche Zustände auf

Unterricht auf nacktem Beton


Glückliche Kinder freuten sich über eine Puppe, die Maria Kasselmann mitgebracht hat.Foto:
Glückliche Kinder freuten sich über eine Puppe, die Maria Kasselmann mitgebracht hat.Foto:
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Lengerich - Das strahlende Lächeln in den Gesichtern der Kinder ist Dank und Anreiz zugleich für Maria Kasselmann, weiter zu machen, weiter Kinder aus dunklen Löchern zu holen, um ihnen lebenswürdige Umstände im Distrikt Thiruvananthapuram im südlichen Bundesstaat Kerala an der Malabarküste in Indien zu schaffen. Dafür setzt sich die Hagenerin seit einigen Jahren ein. Sie hat inzwischen Kontakte nach Lengerich geknüpft und erfährt schon erste Unterstützung. „Für uns ist es nur ein kleines Opfer. Für die Kinder in Indien ist es Glückseligkeit“, hofft Maria Kasselmann auf weitere Hilfe.

Erst vor wenigen Wochen ist die bekannte niederländische Dressurreiterin (unter ihrem Mädchennamen de Kuijper nahm sie erfolgreich an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil) aus Kerala zurückgekehrt und hat ein Projekt aufgetan, das sie vollenden möchte. Davon erzählt sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten: „Ich war bei meinem letzten Besuch eigentlich schon mit der Abreise beschäftigt, als ich noch einmal durch das kleine Dorf ging und mir die Hütte auffiel, aus der ich Stimmen hörte. Ich schaute nach und entdeckte rund 30 Kinder, die sich auf wenigen Quadratmetern in der fensterlosen Dämmerung drängten. Licht drang nur durch Löcher von zwei aus der Wand gebrochenen Steinen in den Raum.

Kein Mobiliar, nur nackter Betonfußboden, auf dem die Kinder hockten. Dieser Kerker diente als Klassenzimmer für die drei- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen. Sie waren so verängstigt, dass sie nicht einmal die Stofftiere annehmen wollten, die ich schnell besorgt hatte. Für mich war klar: Die Kinder müssen so schnell wie möglich aus diesem Loch raus.“

Die wenigen Tage und Stunden, die ihr noch bis zum Abflug zur Verfügung standen, reichten, um mit Hilfe eines Pfarrers eine neue Unterkunft zu finden. Es ist bereits die achte Schule für drei- bis sechsjährige Kinder, die Maria Kasselmann in dem kleinen Dorf betreut. „Ob Träume Wirklichkeit werden können, hängt oft entscheidend von der Schulbildung ab. Dazu bestand in den bestehenden Schulen kaum Hoffnung. In maroden Gebäuden gab und gibt es weder Lern- noch Spielmaterial, kein kindgerechtes Mobiliar, keinen Strom und kein Wasser. Allein die hygienischen Zustände sind katastrophal“, schildert Maria Kasselmann.

Unter dem Dach des Vereins „Freunde indischer Kinder“ in Hagen hofft sie auf finanzielle Hilfe für ihre Projekte. „Damit alle Kinder dieselbe Chance erhalten, sollen nun auch andere Schulen in der Gegend grundlegend renoviert werden. Ich setze mich dafür ein, dass sie mit pädagogisch sinnvollem Inventar sowie mit Spielgeräten ausgestattet werden, die der Bewegungsfreude der Kinder entgegen kommen“, berichtet Maria Kasselmann.

Sie ist eine begnadete Fotografin. Ihre Unterwasseraufnahmen sind ebenso einzigartig wie ihre Tierpor­träts. Durch Foto-Exkursionen ist die ehemalige Dressurreiterin auch nach Indien gekommen. Auslöser war allerdings eine schwere Krankheit, die durch einen indischen Yoga-Lehrer gelindert wurde. Durch ihn lernte sie die indische Lebensphilosophie und schließlich das Land kennen. 2009 hat sie die erste Schule im kleinen Dorf im Distrikt Kerala entdeckt. Seither ist sie schon viele Male dort gewesen, um zu helfen.

2500 bis 3000 Euro würden reichen, um eine der kleinen Schulen zu renovieren, mit Wasser und Strom zu versorgen und vollständig auszustatten. „Dabei binde ich örtliche Handwerker mit ein, die beispielsweise Tische und Stühle herstellen. Und die Mütter helfen mit, Schuluniformen zu nähen. Das ist so eine Art Hilfe zur Selbsthilfe“, freut sich die Initiatorin über das Engagement.

Die Not in der Provinz sei groß. Daher bemühe sie sich um weitere Spenden. Zwischenzeitlich hat sie Kontakt mit Pater Benny von der katholischen Kirche in Lengerich aufgenommen und ihr Projekt vorgestellt. Vielleicht kommt auch von dort Hilfe.

» Spendenkonto: Freunde indischer Kinder e.V., Konto-Nr.: 526 333 44 01, BLZ: 265 200 17, OLB Osnabrück, Stichwort: Maria Kasselmann

VON DETLEF DOWIDAT, LENGERICH


14 · 05 · 12





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