Plattdeutscher Nachmittag

Funke springt auf die Jugend über


Auch die Jugend war vertreten durch die Friedensschüler Lukas Reidegeld, Tim Bußmann und Michael Bömer (v.l.), hier mit ihrer Lehrerin Maria Bonk.
Auch die Jugend war vertreten durch die Friedensschüler Lukas Reidegeld, Tim Bußmann und Michael Bömer (v.l.), hier mit ihrer Lehrerin Maria Bonk.
(Fotos: hö)


Wettringen. Eisiger Wind und ein paar Schneeflocken draußen, heißer Glühwein und deftige Wurstschnittchen im beheizten Heimathaus: Das Ambiente war am Sonntagnachmittag auf jeden Fall stimmig, als Margret Schröder die durchgefrorenen Besucher unter dem Motto „Wie küert Platt“ zum plattdeutschen Nachmittag begrüßte. Sie freute sich über ein volles Haus, denn kein einziger Stuhl blieb mehr frei. Sogar aus Rheine und Mesum kamen Freunde des Plattdeutschen, „üm wier maol ne Handvull Platt te küeren un te singen!“

Besonders begrüßte sie die Lehrerin Maria Bonk von der Friedensschule mit ihren Schülern Lukas Reidegeld, Tim Bußmann und Michael Bömer. Von der Grundschule waren Luis Weßeling und Marc-Ole Treuenberg mit Magdalene Münning gekommen. Mit Geschichten, Dönkes und Vertellskes brachten sie die Heimatfreunde immer wieder zum Lachen.



Viele Männer und Frauen kamen ins Heimathaus zum Singen und Lesen beim plattdeutschen Nachmittag.
Viele Männer und Frauen kamen ins Heimathaus zum Singen und Lesen beim plattdeutschen Nachmittag.
(Fotos: hö)


Passend dazu griffen die Heimathaus-Musikanten Paul Berning und Werner Außendorf in die Tasten und ließen die ersten altbekannten Lieder auf Plattdeutsch erklingen. „In´n grönen Buschk, daor wor de Gaitlink singt“, und wie Paul Berning schelmisch erklärte, „dat aolle Wiättringer Heimotleed van de Biärgstraot. Ick häb mi en leiw Wicht utkierken!“

Mit ihrem Stück „Die Jagdgesellschaft“ sorgte Maria Göcke für Lachtränen unter den Besuchern. Ihre Mimik und Gestik war einfach umwerfend. Denn wenn „de Schultenbuer denn Mönsteraner Akademikern iärben dat Fiärken vör de Niers wechschnappt“, ist die Schadenfreude groß. Lehrerin Maria Bonk, die von einem Bauernhof stammt, gab die Leidenschaft für die Sprache an ihre Schüler weiter. Sie trugen gekonnt ihre Geschichten vor. Lukas Reidegeld überzeugte mit der Geschichte „Platt“; Michael Bömer glänzte mit „Fränzken und Bennätzken“, und Tim Bußmann brachte mit seinem „Kookenhiärtken“ das Volk zum Lachen.

Wenn früher die Kinder aus den Bauernschaften eingeschult wurden, sprachen sie noch Plattdeutsch wie sie es von den Eltern und Großeltern gelernt hatten. Heute wachsen die Kinder mit Hochdeutsch, Handy, Simpsons und Lady Gaga auf. Magdalene Münning sprach ein lebendiges und authentisches Platt, und so gab sie es auch an die Grundschulkinder weiter. Luis Wesseling und Marc-Ole Treuenberg sind sprachlich auf dem besten Wege. Ganz wichtig ist auch, dass die Kinder frei sprachen, den Zuhörer ansahen. Einfacher gesagt als getan: Plattdeutsch ist eben für die heutigen Schüler eine Fremdsprache.

VON BERNHARD HÖLSCHER


01 · 02 · 12




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