Uniklinik baut „Blutproben-Bibliothek“ auf


Prof. Dr. Heinz Wiendl (2.v.r.) ist seit wenigen Monaten Direktor einer neuen Klinik und Poliklinik für Neurologie am Uniklinikum.
Prof. Dr. Heinz Wiendl (2.v.r.) ist seit wenigen Monaten Direktor einer neuen Klinik und Poliklinik für Neurologie am Uniklinikum.


Münster - Rund 150 000 Menschen in Deutschland leiden unter Multipler Sklerose (MS), einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Bei den meisten Betroffenen bricht die Krankheit zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus. Währen die MS-Therapie in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, sucht die Medizin weiter intensiv nach einem Biomarker - also Indikator -, mit dem der Verlauf der Krankheit, aber auch die optimale Therapie sowie mögliche Therapie-Gefahren prognostiziert oder erkannt werden können.

Eine neue Einrichtung am Uniklinikum - die Klinik und Poliklinik für Neurologie, Abteilung für Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und Neuroonkologie - will sich auf die Suche nach Biomarkern für MS, aber auch für andere entzündliche Erkrankungen begeben. Als Voraussetzung für diese klinischen Forschungsansätze ist der Aufbau einer Biobank geplant, um die Aussagekraft solcher Marker im Vergleich zu gesunden Menschen bewerten zu können, betont Klinikdirektor Prof. Dr. Heinz Wiendl. „Eine Biobank ist wie eine große Bibliothek mit Tausenden Informationen, in der Wissenschaftler immer wieder nachschlagen können, um wichtige Daten für ihre Forschung zu gewinnen.“


Daten, mit denen der Sprecher des bundesweiten Kompetenznetzwerks für Multiple Sklerose zum Beispiel hofft, das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs oder von Komplikationen bei der Therapie besser vorhersagen zu können. Die Arbeitsgruppe umfasst derzeit 15 Mitarbeiter, wobei Grundlagenforschung einen wichtigen Teil einnehme, betont Wiendl. Gleichzeitig sei es das Bestreben der Klinik, eine Brücke zur Krankenversorgung zu schlagen und damit „eine bestmögliche Translation“ zu erreichen.

Der Mediziner hofft, dass sich ca. 200 gesunde Menschen bereit erklären, Blut für die Biobank zur Verfügung zu stellen. Ihnen wird unter anderem das Blut von rund 1000 MS-Patienten gegenüberstehen. „Jeder Spender unterstützt unsere Forschungen zur Therapie von Multipler Sklerose, aber auch anderer entzündlichen Erkrankungen“, so Wiendl.

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER


09 · 09 · 10



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